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ATTENTION!

We invite tourist companies and private persons for cooperation in tour operation to Ukraine and countries of the former Soviet Union

ANNOUNCEMENT OF THE NEAREST TOUR!

The last steam locos tour before they`ll be scraped. We start the group collection for the fascinating tour across the snowing Carpathian Mountains from 16 to 23, February 2008: Kiev-Lvov-...Rakhov...- Kiev by the comfortable train plus steam locos. Visits interesting depots, night photosessions, a lot of runpasts..

http://www.dzherelo.com.ua/en/steam-loco-collection/L_2_10_0/ http://www.dzherelo.com.ua/en/steam-loco-collection/L_2_10_0/
   
 
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2008-02-16   We start all the preparations of the splendid tours 2008 across the Trans-Siberian Railway
2008-02-08   Urgent information for the participants of the February steam loco tour!


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Für so eine Aufnahme hätte man vor nicht allzu langer Zeit noch mit dem »Archipel Gulag« Bekanntschaft gemacht! M62yn-0017 schafft einen Schlackezug zur Granulierang und passiert dabei den Hoch- OfMS.

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Eigentlich bevorzuge ich doch irgendwie die amerikanische Hemisphäre. Der Schwindel erregend hohe Dollar-Kurs lässt jedoch derzeit die Rocky Mountains, die Diesels der Union Pacific oder gar Reiseziele in meinem geliebten Argentinien in weite Ferne rücken. Warum deshalb nicht mal ein wenig weiter in Richtung Osten schauen? Außer bei einer kurzen Stippvisite in Vilnius und dem damaligen Leningrad Mitte der achtziger Jahre hatte ich mit der russisch geprägten Breitspur-Eisen-bahn bisher noch nicht so richtig Bekanntschaft geschlossen. ins Baltikum wird man hoffentlich bald völlig unkompliziert reisen können, da kann man getrost bis zur EU-Erweiterung warten. Weißrussland wäre da geheimnisvoller, dort soll die Sowjetunion noch weitgehend konserviert erhalten sein.

Doch in Lukaschenkien, dem Land des großen Kolchosvorsit-zenden, ist das Fotografieren von Eisenbahnen, wie früher, gänzlich unerwünscht. Über die Entwicklung der Ukraine seit der Unabhängigkeit hatte ich Widersprüchliches gehört, es war also an der Zeit, sich ein reelles Bild zu machen. Zudem existiert dort eine Reiseinstitution, von der Freunde schon geschwärmt hatten - Dsherelo. Von alleine wäre ich im Traum nicht auf die Idee gekommen, eine organisierte Eisenbahnreise mitzumachen, schon gar nicht, mit einem der bekannten Nobelanbieter. Doch die Dsherelo-Mucke sollte nicht nur preiswert, sondern auch urgemütlich sein; von außen sieht der Zug ohnehin ganz normal aus. Sich endlich mal um fast nichts kümmern zu müssen, hat gewisse Vorteile Außerdem kann es nicht schaden, die eigene »Teamfähig­keit« zu verbessern. Dem dunklen Obolon-Bier eilt ein guter Ruf voraus und vor allen Dingen: endlich wieder einmal tagelange Schienenstoß-Musik erleben. Doch, man ahnt es. ich sollte noch ganz andere Erfahrungen machen.

Auch bei der ukrainischen Eisenbahn ist der Rückgang des Verkehrsaufkommens unübersehbar, so dass das Baureihen­spektrum in den letzten Jahren arg geschrumpft ist. Aber noch kommt so mancher Elektropojezd als originale, fünfzigjährige C''3-»Rüttelplatte« daher. Die eleganten fli-Dieseltriebzüge von Ganz-Mävag werden, wie in Ilowajsk, sogar rekonstruiert. Unbestritten waren unter den Reisenden die Fans großer und lauter Diesellokomotiven in der Überzahl, und jeder hat da so seine Lieblinge. Zu den Favoriten zählen die Vertreter der M62-Familie. Andere wie­derum fahren auf alles ab, was bei CKD in Prag gebaut wurde; in dieser Katego­rie finde ich mich wieder. Dessenunge­ achtet hatte ich auf Fotos etwas gesehen, was meine Neugier erwachen ließ. Eine Doppellokomotive war es, die das ohne­hin schon überaus weite russische Licht­raumprofil voll ausfüllt und deren Mit­telpufferkupplung kaum 30 Zentimeter über die gewaltige Stirnwand hinaus­ragt. Frontscheiben und Lampen sind wie ein Gesicht angeordnet, das keinen Widerspruch duldet. In ähnlichem Ge­häuse können sich Motoren mit unter­schiedlichem Temperament verbergen. Da sind zunächst die 2T3116, die »Jam­merkästen«, deren 1A-5D49 Sechzehnzy­linder aus Kolomna mit denen unserer Reichsbahn-130/131/132 identisch sind und die sich durch die gleichen heulen­den Laute bemerkbar machen. Der Su­perlativ dagegen sind 2T310M und 2T31 OV^Das Lugansker Lokomoüvweri baute bei ihnen in Charkiw gefertigte Zehnzylinder-Gegenkolben-Aggregate vom Typ 10D100 (-Ml, -M2) ein, die zve mittels Zahnräder verbundene Kurbelwellen besitzen. Die Steuerung erfolgt nicht mit Ventilen, sondern über Ein-und Ausströmschächte. Diese Monste-Motoren sind so groß, dass sie in den Rahmen eingelassen werden mussten und trotzdem bis unter das Dach reichen. Für einen Schalldämpfer isT kein Platz mehr. Die erste Bekanntschaft mit einer »V1« schloss ich im Speisewagen, als durch unerklärliche, seismische Erscheinungen die Gläser anfingen zu klirren. Zwei Gleise weiter grummehe so ein Ungetüm im Leerlauf. Das alleine hätte in unserem lieben Heimatland eine Klagewelle wegen Lärmbelästigung zur Folge gehabt. Aber wehe, wenn so eine Kiste gestartet wird oder gar unter Voll­last anfährt! Der Frequenzbereich herkömmlicher Video-Tonspuren ist für solche Bässe gar nicht ausgelegt, auch sind Aufnahmen mit Stativ wegen der gewal­tigen Vibrationen in der Umgebung na­hezu unmöglich. Wir nannten die Zeh­ner »transportable Erdbeben«. Fast wollte ein wenig Alltagsstimmung aulkommen. Abgesehen von den Karpa­ten und dem Krimgebirge ist die »Korn­kammer Europas« tatsächlich überwie­gend ein großes, weites Feld. Wenn es die Topografie zulässt, sind die Eisen-bahnstrecken von Waldstreifen gesäumt, die den Bahnbetrieb vor Schneeverwe­hungen und die Ackerkrume vor Wind­erosion schützen. So merkten wir kaum, dass wir stetig weiter in die Ostukraine ruhren. Auffällig war jedoch, dass die Menschen hier kaum noch die ukraini­sche Sprache benutzen. »Achtung« heißt nicht mehr »Uwaga«, sondern »Wniman-je*. Orts- und Bahnhofsnamen tragen häufiger die blumigen »oje«- und »aja«-Endungen. Der von allen slawischen Völkern besonders verehrte Zweite-Fall-Mehrzahl wechselt in seiner männlichen Form vom ukrainischen »-iw« ins russi­sche »-ow«. Mein Gott, wieviel Jahre hatten wir Russisch in der Schule, und wie wenig kann man davon heute noch ... In sowjetsternförmige Fundamente ge-fasste Kilometersteine mit geharkten Sandstreifen, liebevoll gepflegte Bahn­höfe. auf denen es mir nirgends gelang, eine weggeworfene Fahrkarte für die Sammlung zu finden, ab und zu der Besuch eines interessanten Depots -Slawjansk, Popasnaja, Debalzewo, Dro-nowo. Ilowajsk - so würde es weiterge­hen. Nur das unablässige Trommeln der dicken Regentropfen an die Fenster unserer gemütlichen Wagen trübte die Stimmung etwas. Doch dann kam Frei­tag. der 8. Juni.

Vom Unterschied zwischen Wasser und Wässerchen

Wolnowacha ist ein Eisenbahnknoten etwa 50 Kilometer südwestlich von Don-jezk und hat natürlich ein Depot. Es gibt hier die BflSer Elloks mit den kuriosen Drehgestellen, 2T3116er »Jammerkästen« und die unvermeidlichen 4M33. Wladi­mir Nikolajewitsch Schtscherback, der Vorsteher, wusste Interessantes zu be­richten, unter anderem, dass die Haupt­untersuchung einer 116er in der hiesi­gen Werkstatt üblicherweise in einem Monat, bei Bedarf aber auch in sechs (!) Werktagen ausgeführt werden könne. Die Lokführer aus unserer Reisegruppe schilderten ihm dann, welche Ewigkei­ten Vergleichbares mitunter in einem deutschen Werk dauert. Ja, sagte er mit ungläubiger Miene, das habe man ihm bei einem Besuch in Deutschland vor einiger Zeit auch berichtet; und was das für ein wunderliches Land sei, wo eine offizielle Delegation von ausländischen »Jammerka-Kollegen wegen irgendwelcher Vorschrif- sten« ten nicht in der eigenen, piekfeinen 2T3116-820A+B Bahn-Betriebskantine, sondern in einem »om Depot auswärtigen Restaurant empfangen wer- Ilowajsk kommt den muss! Etwas traurig fügte er hinzu, nicht nur sehr dass seine deutschen Gastgeber der Ein- dominant ladung zum Gegenbesuch bis heute nicht daher, er grinst Folge geleistet haben. Aber dafür sind auch noch! wir ja gekommen, und es wäre noch eine So, wie hier kleine Überraschung vorbereitet, nahe Dolinta-Beides ist farblos, klar und von flüssiger rowo zwischen Konsistenz. Das eine kann vom Himmel Ilowajsk und fallen, aus Hähnen fließen oder in Plaste- Donjezk, sieht pullen verkauft werden. Das andere es an vielen kommt ausschließlich aus Glasflaschen Strecken der und war für uns in erklecklichem Um- UZ aus. fange aufgefahren worden. Dazu ein brechend voll beladener Tisch mit beleg­ten Broten vom Allerfeinsten, mit denen man statt zwanzig auch hätte gut und gerne sechzig Leute sättigen können. Wir wussten, dass es unverzeihlich gewesen wäre, die von Wladimir Nikolaje­witsch und seinen Kollegen immer wie­der aufs Neue befüllten Gläser nicht zu leeren. Somit nutzten wir die Gelegen­heit, vor dem Genuss des Hochprozenti­gen die stets ratsame, solide Nahrungs­grundlage im Magen zu schaffen. Auf unsere beiden Heimatländer, auf die Frauen, auf die Eisenbahn, und so wei­ter - bis der ebenfalls anwesende Bahn­hofsvorsteher sich um die pünktliche Abfahrt unseres Zuges Sorgen machte. Daraufhin gab uns Wladimir Nikolaje­witsch mit verschmitztem Lächeln zu verstehen, dass wir in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit versuchen sollten, »den Prozess etwas zu beschleunigen«. Uns stand mittlerweile der Schweiß auf der Stirn, unter anderem, weil Petrus den großen Himmelswasserhahn abgestellt hatte und die Mittagssonne erbarmungslos niederprasselte. In anschaulichem Unterricht war uns der kleine, aber feine Unterschied zwischen Woda

4M33-2348 rangiert in ihrem Heimatdeprt Wohiowacka

Alsbald befanden wir und an Bord eines Werksbusses des Metallurgischen Kom­binates »Iljitsch«. Wladimir Alexejewitsch Bojko, der Leiter der Transportabteilung, entpuppte sich nicht nur recht schnell als Vollblut-Eisenbahner, er könnte sich ohne Probleme auch als qualifizierter Stadtführer oder Reiseleiter verdingen. Inries ausgefallene Ansinnen, das so i ir loppte Eisenbahnfreunde wie wir stellen könnten, hatte er schon bedacht. Es begann mit einer Mitfahrt auf Führer­stand und Umlauf einer sechsachsigen T3M15K bis zum Lokomotivdepot. M62Vn hieß die Zauberformel, die unse­re Wummen-Fans auf Wolke 7 brachte; anze Haus war voll davon! Mit Kamera und Notizblock wurde die ein­malige Gelegenheit genutzt, weiße Flek­ken auf der Landkarte der M62-For-schung zu begrünen. Fünfzehn Stück besitzt die Werkbahn, sie lösten l988 die urigen T33-Maschinen ab. Eigentlich hatte man gar keine M62 bestellt, aber die Wirren der sozialistischen Planwirt­schaft beauftragten das Lokomotivwelk in Lugansk, das damals noch Woro-schilowgrad hieß, mit der Lieferung aus der neuen »Vl"! «-Serie. So kamen M62yn-0002, 0003, 0004, 0007, 0008, 0009,0014.0017,0021, 0036 und 0040; M62??-0088 und 0089 sowie die Dop­pellokomotive 2M62V-0190 A+B ins Kom­binat. »Eigentlich hätten wir ja gerne die »0001« gehabt. Die hat Lugansk aber nicht rausgerückt.« Und dann gestand uns Wladimir Alexejewitsch voller Schmach; »Schließlich haben sie sie dem Zementwerk Woloklija gegeben, weil die denen Baustoffe für ihr Ferienobjekt besorgen konnten.« Klar, jemand, den so etwas bewegt, hat auch für die zahlen­vernarrte Traumwelt von Lokfotografen volles Verständnis. Dann stand der Abstich am Hochofen 5 auf dem Programm, doch wir waren eigentlich schon zwanzig Minuten zu spät! Aber, weil versprochen, wurde das schaurig-schöne Spektakel unseretwe-gen solange wie möglich herausgezögert. Der Preis war eine äußerst hartnäckige Schlackekruste auf der Flüssigstahlrin­ne, mit der sich die Stahlkocher inmitten von Gluthitze und beißenden Gas<abplagen mussten. Jetzt noch eine Wumme mit den Pfa nenwagen vor dieser genialen Kulis ablichten - das wär's! Genau das hat unser Gastgeber längst in die We, geleitet, et ahnte aber wohl auch, da danach dort keiner mehr wird freiwil] weg wollen. Als guter Hirte verstand es, die Herde vom Anblick der »001 mit Hochofen loszueisen und zum Ei steigen in den Bus zu veranlassen. D Köder: Man könne den Zug unter U] ständen überholen und in der Granul: rungsanlage noch weitere Aufnahmi machen. Es folgten ca. 15 Kilomet Fahrt, etwa die Längsausdehnung d Werkes. Was wieder auffiel: Keine Sp von dem berüchtigten Sowjet-Schlend an und den ganzen lustigen, aber biswi len lebensgefährlichen Improvisatione die wir Ossis von der ruhmreichi Armee des »Großen Bruders« in unser Heimat kannten. Nur mit der Straßenv( kehrsordnung hatten einige innerbetrie liehe Fahrzeuglenker ihre Schwierige ten. Der Umsicht unseres Busfahrers es zu verdanken, dass die Kollision n einem Vorfahrt schneidenden »VA vermieden werden konnte. Tatsächlich gelang es, einige Minuti vor der »0017« anzukommen, zwei SchM sterlokomotiven waren auch schon v Ort. Pro Schlackezug werden sechs d vierachsigen Pfannenwagen bewegt, ei gestellt jeweils zwischen zwei mit Balle beladene Flachwagen. Die Last an sii könnte auch eine kleinere Maschi] bewältigen, gefragt ist jedoch das Brerr vermögen einer sechsachsigen Großd seilok, da nur die beiden Schutzwagi hinter der Lok luftgebremst sind. E Pfannenwagen selbst besitzen wed Bremsausrüstung, noch durchgeheni Luftleitung, da diese beim Beladen duri Verschmutzung und extreme Tempei turen unweigerlich Schaden nehmi würden. Je drei der mit Schamotte ai gekleideten Tröge werden gleichzeitig ein Becken ausgekippt. Dort vermisc sich die noch flüssige, rotglühende Schic ke mit Wasser und erstarrt daraufhin krümeliger Form. Dabei steigen riesig und Wodka vermittelt worden. Noch nie hat Russisch-Lernen so viel Spaß ge­macht! Für die »Hausaufgaben« hatte man uns noch eine Kiste mit diesen speziellen Glasßaschen überreicht. Auf bleischweren Beinen, aber glücklich, schleppten wir uns zurück zum Zug.

Vom Unterschied zwischen Besitz­standswahrung und sozialer Verantwortung

 Die körperlichen und geistigen Folgen des »beschleunigten Prozesses« waren noch nicht ganz überstanden, da erreichten wir Mariupol, 505 000-Einwohner-Stadt am Ufer des Asowschen Meeres. dick aufquirlende Dampfwolken gen Himmel. Das in diesem simplen, aber wirkungsvollen Verfahren gewonnene Schlackegranulat ist ein hervorragender Zuschlagstoff für die Bauindustrie (Die­ses Zeug und noch ein paar Stahlträger hätten die Lugansker damals für das Ferienheim vielleicht auch gebrauchen können?). Weil aber wegen der prekären Wirtschaftslage kaum mehr etwas ge­baut wird. war man unlängst gezwun­gen. Halden anzulegen. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof stellte uns Wladimir Alexejewitsch seine Heimatstadt vor, die seit 1991 durch Volkes Wille wieder Mariupol heißt. In älterem Kartenmaterial findet man den Namen Shdanow, wie man die Stadt seit 1968 nach einem hiesigen KPdSU-Funk­tionär nannte. 1991 war auch das Jahr der Unabhängigkeit der Ukraine. Aller-spätestens da war die Zeit des Kommu­nismus endgültig vorbei, die sich heute so mancher Arbeitslose oder Rentner zurück wünscht. Damit keine Zweifel aufkommen: Die sozialistische Mangel­wirtschaft, die in der inszenierten Hun­gersnot von 1933 gipfelte, die Stalin'schen Gulags oder der Armeedienst in Afgani­stan - oh nein, das ist unvergessen. Aber man bedenke: Das offizielle Existenzmi­nimum wird zur Zeit mit 300 Griwna monatlich veranschlagt, das sind reich­lich 130 DM. Den Senioren werden durchschnittlich 80 - in Worten: achtzig - Griwna Rente ausgezahlt; das nach den Entbehrungen des zweiten Weltkrie­ges und fünfzig Jahren schwerer Arbeit! Mir ist da immerzu das Wort »Besitz­standswahrung« im Kopfe herumgegei­stert, das auch gutmeinende Sozialpoli­tiker sehr gern verwenden und wie es nur in unserer satten Gesellschaft entste­hen kann. Oder noch besser: »Spar' dir was, dann haste was, dann biste was!«. Wenn also aus dieser Logik heraus nicht der Mensch selbst, sondern sein Besitz als schützenswert gilt, was zählen dann eigentlich all Jene, die nichts haben? Die Leitung des Stahlwerkes »Iljitsch« sah sich für Belegschaft und Veteranen in die Pflicht genommen und handelte ziemlich unkonventionell. Es begann am 30. Januar 1992 mit der Gründung des Agrozech Nr. l, 1993 folgte ein Vieh­zuchtbetrieb und im Dezember 1994 sogar eine Molkerei. Heute sind 30 Agro-Abteilungen in das Kombinat integriert. Von den 55 000 Beschäftigten arbeiten 10 000 in der Landwirtschaft. Den Stahl­arbeitern und ihren Angehörigen wird so eine preiswerte Lebensmittelversor­gung gewährleistet (keine Zwischenhänd­ler), die Familien der Bauern kommen im Gegenzug in den Genuss der sozialen Vergünstigungen der »Iljitschewzy«, wie niedrigere Mieten oder eine medizinisehe Grundversorgung. Den für ein Stahl-kombinat ungewöhnlichen Produktions­zweig will die Generaldirektion bis zur deutlichen Verbesserung der ökonomi­schen Situation im Lande beibehalten. Leider, so wurde mir mehrfach versi­chert, steht »Iljitsch« mit dieser Art Sozial-Engagement in der Ukraine ziem­lich alleine da.

Mariupol'skij Metallurgitscheskij Kombinat imenl lljitscha

Am Standort Mariupol würde am l; Februar 1897 das zum Teil mit deutschein Kapital errichtete Stahlwerk »Nikopol« in Betrieb genommen. Im April 1898 folgte ein zweites Metallurgieunternehmen, »Russkij Pro-widans«. Beide Fabriken dehnten sich rasch aus und wurden am 22.2.1924 zum »Stahlwerk Iljitsch Teil A -und B« vereinigt; benannt nach dem einen Monat zuvor;:verstorbenen Sowjet-Staatsgründer Wladimir Iljitsch Lenin. Seit dem 6.11.1931 verbindet eine Straßenbahn Werk und Stadt. Ab 1953 wurden die Produktionsan­lagen umfassend rekonstruiert. Im damaligen Ausbau-^zustand - als Konverterstahlwerk mit fünf Hochöfen und mehreren Walzstraßen - arbeitet das Werk bis heute. Zur Zeit werden pro Jahr 5 Millionen Tonnen Roheisen und 7 Millionen Tonnen Qualitätsstahl aus­geliefert. Nach einer innerbetrieblichen Reorganisation firmiert das Unternehmen ab dem 9.1.1981 als »Metall­urgitscheskij Kombinat imeni lljitscha«. Der Transport­direktion untersteht ein Straßenverkehrsbetrieb mit 600 Kraftfahrzeugen, davon 400 Lastkraftwagen, sowie der »Sheleznodoroshnyj Zech«, die Eisenbahnabtei­lung. Sie beschäftigt l 300 Leute, von denen 750 als Lokführer, Beimänner oder Rangierer tätig sind. Das Schienennetz wuchs mit dem Werk. Es umfasst zur Zeit:370 Kilonieter Breitspurgleis, inklusive 27 Stationen. Im April 1966 wurde das Wagendepot gegründet. Die Lokomotivwerkstatt führt alle Ausbesserungen, ein­schließlich Hauptuntersuchungen, selbst aus. Seit 1963 werden Diesellokomotiven eingesetzt, zunächst T33-Doppellokomotiven, an die ein Führerhaus der T33-6972 erinnert. Ab 1988 erfolgte deren Verdrän­gung durch die M62yn, die für den Schlacketransport und die Übergaben zur Staatsbahn zuständig sind. Rangiert wurde seit der Nachkriegszeit mit über dreißig Ch2t-Dampflokomotiven der Klasse 9n (368 kW), abge­löst Anfang der siebziger Jahre von den etwas schwä­cheren dieselhydraulischen TFMI. Die jeweils letzten Vertreter der beiden Reihen, 911-18412 und TrMI-1722, abgestellt 1973 bzw. 1997, sind als Denkmal aufgestellt. Der Rangierdienst obliegt heute den 45 B'B'-dh-Ma-schinen der Baureihe TFM4 mit 552 kW und verschie­denen Sechsachsern mit dieselelektrischer Kraftüber­tragung, wie T3M2 und T3M15K, welche die Sammel­bezeichnung »l 200-PS-Klasse» tragen. Anfang Juni 2001 befanden sich 90 Triebfahrzeuge im Bestand; täglich waa-den etwa 60 ,000 Tonnen Güter transportiert.

 

Von einem, dem es die Sprache verschlägt

So ein Tag, so wunderschön, wie heute! Da ja nun, vermeintlich, nichts mehr kommen konnte, beschloss die Hälfte unserer Mannschaft, den Tag langsam im Salonwagen ausklingen zu lassen. Doch wir hatten noch einen Termin. Natürlich war ich dabei, als wir am Abend noch das »Oborotnoje Depot Mariupol« besuchten, das eine Einsatz­stelle von Wolnowacha ist. Hier werden einige Bfl8 und viele meiner hochver­ehrten 4M33 unterhalten, die in der Hauptsache das zweite große Stahlwei der Stadt, »Asow-Stahl«, bedienen. Vie leicht, dachte ich mir, kann ich hier noc einige »Cmeläk«-Reliquien erstehen. Die kleine Dienststelle weist zwei Besoi derheiten auf. Der schöne Lokschuppe wurde in Anlehnung an das früher Aussehen rekonstruiert. Depots im Orig naizustand sind in der Ukraine seltei denn unsere uniformierten Landsleut hatten nach den missglückten Welther: schaftsambitionen eines bekannten öste: reichischen Gefreiten vor ziemlich g( nau 58 Jahren die meisten Anlagen i die Luft gejagt. Die zweite Finesse bf steht darin, dass die Mariupoler Lokfül rer während der Bereitschaftszeit, stai am »Lügentisch« zu sitzen, mit dem Boc angeln fahren können, ohne aus de Rufweite des Lokleiters zu geraten. Den: das Verwaltungsgebäude ist ungefäh zehn Meter vom Ufer des Asowsche: Meeres entfernt. Die Personalübernacr tung hat Hotelniveau - dicke Teppiche bequeme, große Betten und natürlicl Meeresblick! Eine aus Sowjetzeiten stammende um bis heute weit verbreitete Institution is das so genannte Traditionskabinett. Dii Erfahrung lehrt, dass sich solche be Staatsbahn-Dienststellen von denen an derer Betriebe unterscheiden, denn fü gewöhnlich erweisen sich die Betreue weniger als ehemalige Agitprop-Aktivi sten, sondern eher als Modellbauer um Sammler historischen Bildmaterials öde anderer eisenbahntvpischer Preziosen In Mariupol legte man gar keinen Wer auf Ehrenbanner und Lenin-Büsten, hie wurden die besagten Talente gleich rieh tig genutzt. Teile des Depots sind Ausbil dungsstätte für die Donjezker Eisen bahn, und die Bastler hatten die Unter richtsräume mit phantastischen Schau modellen für die Schulung an Bfl8 unc 4M33 ausgerüstet, zum Teil unter Ver wendung von originalen Bauteilen. Dit Diesellok-Bremsanlage arbeitet richtig mi Druckluft; herrlich, wie es knallt unc fatscht! Das Lehrerpult im BJIS-Raum ist einem Führerstand nachempfunden, der alle Armaturen und sogar eine Loknum­mer trägt. Dienstvorsteher Alexander Dmitrijewitsch Chodshajsa ließ es sich nicht nehmen, uns alles in Aktion vorzu­rühren. Und dieser Mann war es auch, der mich vollends aus der Fassung brachte. Denn zum Schluss war Besche­rung. Auf dem Gabentisch lagen mehre­re Pakete. Da waren Bündel von luftge­trocknetem Fisch, der als »Taranka« bekannten Asowschen Zährte - ein be­liebter ukrainischer Knabberspaß zum abendlichen Bier; desweiteren einige Kilo Filet vom Stör (ob die Bereitschafts­lokführer vielleicht doch ... ?). Ja, und dann lag da noch ein Packen CKD-Dokmnentationen und eine rote Emaille-Tafel mit der Aufschrift »?M?3-478«. Ohne jede Frage, heute war mein Glücks­tag. Nur - für eine Sache einen Preis bezahlen oder von Verwandten und Bekannten ein Geburtstagspäckchen zu bekommen, damit kann ich umgehen, aber von fremden Menschen in dieser Form beschenkt zu werden - weit man sich etwa für deren Arbeit interessiert? Gibt es ein solches »Weil« überhaupt? Ist man sich dann eigentlich noch fremd? Und wie kann man denn dafür danken? Die Räder klappern wieder über die Schienenstöße. Die beiden großen Stahl­werke, die langsani kleiner werden, sind von einem grandiosen Feuerwerk umge­ben. In grellem Kontrast zur dunkelblau­en Dämmerung versetzt die glühende Schlacke die himmelhohen Dampfwol-ken der Granulierungsanlagen in ein orangefarbenes Inferno. Ein Gläschen Obolon, ein wenig Taranka kauen. .» Zeit zum Nachdenken. Besonderer Dank geht an Wladimir Niko-lajewitsch Sditscherback, Wladimir Ale-xej ewitsch Bojko, Alexander Dmitrijewitsch Chodshajsa - stellvertretend für alle unsere liebenswürdigen Gastgeber, sowie an Natascha Warlamowa und die Dsherelo-Maimschaft für ihre freundliche Unter­stützung.

 

DZERELO

Der Spezialist für Eisenbahnreisen in der Ukraine

UA/RUS2002

Die Reise nicht nur für Eisenbahnfreunde

vom 2. bis 14. Juni 2002

Der bewährte Dzerelo-Zug soll diesmal über die schönsten Strecken der Ostukraine bis ins russische Kaukasus-Vorland rollen. Neben regulären Diesel- und Elektrolokomotiven ist der Einsatz der legendären sowjetischen Schnellzugdampflo-komotive ? 36 geplant. Auf dem Programm stehen voraussichtlich:

- Besichtigungen verschiedener UZ- und RzD-Depots.wieWoroshba.Pjatichatki, Kriwoj Rog, Lichaja und Rostow am Don, des Dampflokomotiv-Depots Tichorezk und der Lokreserve Debalzewo C-IM35)

- Das Lokomotivwerk Lugansk (wiederaufgenommene M62-Fertigung)

- Bereisung einerWaldeisenbahn im Kaukasus

- Die dieselbetriebene Grubenbahn ei­nes Großtagebaus in Kriwoj Rog

- Stadtführungen in Charkow und Rostow am Don

- Kennenlernen des städtischen Nahverkehrs in verschiedenen Städten (Metro bzw. Straßenbahn)

- Und natürlich Fotohalte an exponierten Orten,deftige ukrainische Küche, Folkloreabende und viele Überraschungen

Teilnehmerzahl: 25 bis 30

Vollpension, Übernachtung stets im Zug

Informationen/Anmeldung/Anregungen:

Detlef Hanschke • Taubenstr. 1a

03046 Cottbus • Tel./Fax: 03 55/79 70 25

e-mail: D.Hanschke@gmx.de

 oder

Hans-Jürgen Trunk • Tel.: 0 36 21/70 45 89

Neu im Internet: www.ukraine-eisenbahnreisen.de

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